Anatomie eines Ransomware-Angriffs – Minute für Minute

Ein 85-köpfiges ungarisches Logistikunternehmen wurde im Dezember 2024 von einer Ransomware aus der Royal-Familie getroffen. Drei Tage kompletter Stillstand, 60 betroffene Rechner und Server. Wir sehen uns an, wie sich der Angriff Minute für Minute entwickelte und was die Daten am Ende geschützt hat.

Der Angriff begann am 18. Dezember 2024 um 02:14 Uhr über einen achtlos offen gelassenen RDP-Port. Der Angreifer dehnte seine Aktivitäten anschließend wie folgt aus:

T+0 – Eindringen

Brute-Force-Angriff auf ein Administratorkonto. Die Passwortrichtlinie war schwach (12 Zeichen, keine MFA). Innerhalb von 41 Minuten war die Anmeldung erfolgreich.

T+2 Stunden – Aufklärung

Der Angreifer kartierte das Netzwerk mit SoftPerfect Network Scanner. Es umfasste 60 Server, 3 ESXi-Hosts, einen SAN-Speicher und – entscheidend – einen Veeam-Backup-Server mit Schreibzugriff auf den Backup-Speicher.

T+5 Stunden – Seitliche Bewegung

Mit PsExec verschaffte sich der Angreifer Administratorrechte auf dem Veeam-Backup-Server. Dort löschte er zuerst die Konfiguration des Backup-Repositorys und anschließend die Dateien, die die Backup-Kette starteten. Die klassische „attack the backups first“-Strategie.

T+11 Stunden – Verschlüsselung

Seit 06:00 Uhr morgens lief die Ransomware auf dem Dateiserver und dem SAN. Die Royal-Variante verschlüsselte mit AES-256 kombiniert mit ChaCha20. Die Frühschicht konnte sich nicht anmelden.

T+3 Tage – Erkennung und Verhandlung

Das Unternehmen kontaktierte eine DFIR-Firma. Das Ergebnis: Das klassische Backup war unbrauchbar, weil der Angreifer es gelöscht hatte, es gab keine Shadow Copies, weil Royal diese standardmäßig entfernt, und die einzige nutzbare Version war ein 11 Tage altes Band-Backup mit teilweisem Datenverlust.

Die Wende: Einführung der ViVeSec Box

Im Januar 2025 implementierte das Unternehmen die ViVeSec Box. Die Architektur änderte sich grundlegend: Die Backup-Kette wird nicht mehr von einem herkömmlichen Backup-Server, sondern von der gehärteten Appliance verwaltet. Eine Kompromittierung der Windows-Seite erreicht die unveränderlichen Volumes der ViVeSec Box nicht (Out-of-Band-Management, RBAC, Vier-Augen-Prinzip).

Der zweite Test

Das Unternehmen spielte die Angriffskette in einer Red-Team-Übung erneut durch. Ergebnis: Der Angreifer erreichte den Windows-Backup-Koordinator, konnte aber den unveränderlichen Speicher der ViVeSec Box nicht verändern. In einem internen Benchmark stellte Instant Recovery Betriebssysteme in 47 Minuten wieder her – ohne einen einzigen Tag Ausfallzeit.

Der Unterschied liegt nicht in schnelleren Backups. Der Unterschied besteht darin, dass der Angreifer sie nicht löschen kann, selbst wenn er die Windows-Seite vollständig gehackt hat.